Prozession for Future auf dem Katholikentag 2026

Katholikentag 2026 – Prozession for Future

Station 1: Begrüßung und Dankbarkeit       
Station 2: Schmerz und Klage
Station 3: Angst und Sorge
Station 4: Mit neuen Augen sehen
Station 5: Ins Handeln kommen und Aufbruch / Segen

Station 1: Begrüßung und Dankbarkeit                         

Ingeborg: Eröffnung für Polizei, Veranstaltung wird für eröffnet erklärt.

Andrea: Wir beginnen unsere Prozession for Future im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und der Heiligen Geistkraft. (R: Amen.)

Charlotte: Wir sind hier zu einer kirchlichen Kundgebung, einer Prozession für Klimagerechtigkeit zusammengekommen. Weil wir der Überzeugung sind, dass wir als Christ:innen und als Kirche die Aufgabe haben, uns für Gerechtigkeit einzusetzen, neutestamentlich gesprochen für das Reich Gottes. Und wir sind überzeugt, dass die zentralen Herausforderungen unserer Zeit in Sachen Gerechtigkeit die ökologischen Krisen sind. Sie werden alle anderen Formen von Ungerechtigkeit verschärfen.

Wie vielleicht schon einigen an den Personen in evangelischen Talaren aufgefallen ist, sind wir dabei heute ökumenisch unterwegs. Und nicht nur mit Christ:innen anderer Konfessionen, sondern auch über Religionsgrenzen hinweg ist die Begrenzung der ökologischen Krisen ein Anliegen, das uns verbindet. So freuen wir uns besonders, dass auch Mitglieder einer Würzburger buddhistischen Meditationsgruppe, die „Intersein-Sangha“ heute hier mit uns unterwegs sind.

Ingeborg (aus einem Vortrag vom verstorbenen  Thich Nhat Hanh, vietnamesischer buddhistischer Zenmeister und  Vertreter, Gründer des engagierten Buddhismus im Westen):

Wenn du erwachst und feststellst,
dass die Erde nicht einfach nur "die Umwelt" ist,
sondern dass sie in dir ist und du in der Erde,
dann berührst du die Natur des Interseins
In dem Moment kannst du mit der Erde in einen lebendigen Austausch treten.
Wir wissen, dass viele alte Zivilisationen untergegangen sind,
und mit unserer Zivilisation könnte das auch geschehen.
Wir brauchen ein echtes Erwachen, eine echte Erleuchtung/echten Bewusstseinswandel.
Wir müssen unsere Art zu denken und die Dinge zu betrachten ändern,
und das ist möglich.
Unser Jahrhundert sollte ein Jahrhundert der Spiritualität sein.
Davon wird es abhängen,
ob wir überleben oder nicht.
 

Charlotte: Aus den ökologischen Krisen erwachsen schon heute bei vielen Menschen Sorgen und echte Ängste in Bezug auf ihre eigene Zukunft, und zunehmend auch spürbare Probleme bereits jetzt. Wir wollen in dieser Prozession, in diesem Stationengottesdienst diese Sorgen ernst nehmen, aber auch schauen, was uns aus dem Glauben heraus für diese aktuelle Weltlage erwächst.

Wie in jedem guten Gebetsaufbau wollen wir aber zuerst zurückblicken und uns auf Gottes Gnade besinnen, auf das, was Gott uns geschenkt hat: In der ersten Station wollen wir uns mit Dankbarkeit beschäftigen. Zu Beginn unserer Stationen wollen wir uns von Papst Franziskus inspirieren lassen, mit einem Satz oder einer Passage aus seiner Enzyklika Laudato Si.

Bernhard: In seiner Enzyklika „Laudato Si“ schreibt Papst Franziskus (LS 220), Dankbarkeit bedeute ein Er- oder Anerkennen der Welt als ein von der Liebe des himmlischen Vaters erhaltenes Geschenk.

Andrea: Murmelgruppen
Häufig geht vor lauter Sorgen, wenn so vieles ins Auge springt, das schlecht läuft, völlig unter, was uns eigentlich an Gutem widerfährt und was uns Positives geschenkt wurde. Deshalb wollen wir uns einen Moment Zeit nehmen und darüber nachdenken, wofür wir dankbar sind. Darüber wollen wir uns in kleinen “Murmelgruppen” austauschen, tut Euch gerne mit zwei oder drei Menschen um Euch herum zusammen und überlegt gemeinsam oder tauscht Euch dazu aus.

Charlotte 
Unabhängig davon, ob wir den Ursprung dessen, was unverdient und ohne eigene Leistung „erhalten“ haben, jetzt in Gott sehen oder a-theistisch im Leben, in der Welt, im Universum – wenn wir uns bewusst werden, wie abhängig wir von der uns umgebenden Schöpfung sind und wie unverdient uns so vieles, ja das ganze Leben geschenkt wurde, kann uns eine innere nicht nur Überzeugung, sondern das echte Anliegen und Bedürfnis daraus erwachsen, mit diesen Gütern wertschätzend und fürsorglich umzugehen.
 

Judith: Wir beten mit Worten aus Psalm 103:

Lobe den Herrn, meine Seele,
und alles in mir Seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat.

Aus dem Untergang erlöst er dein Leben,
er krönt dich mit Erbarmen und Liebe.
Er sättigt dein Leben mit Gutem;
wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert.

Lobt den Herrn, ihr Seine Werke alle
an allen Orten Seiner Herrschaft!
Du, meine Seele, lobe den Herrn!

Charlotte: Wunsch/Forderung
Wir wünschen uns eine Kirche, in der wir gerade auch die Liturgie so gestalten, dass wir Dankbarkeit einüben. Für die Ernte. Für die Arbeit und Mühe der Bäuerinnen und Bauern. Für den fruchtbaren Boden, der unsere Lebensmittel hervorbringt. Für das Wetter, das ihren Anbau ermöglicht. Für die Tiere, die uns mit Dünger, aber auch mit Milch und Fleisch versorgen.

Und dass uns daraus eine Selbstverständlichkeit erwächst, v. a. auch unseren kirchlichen Bedarf, besonders an Lebensmitteln, aus Herkünften zu decken, die diese Ressourcen und Mühen erhalten, wertschätzend entlohnen und fördern.

Ansage Andrea [Lied für den Weg]: Laudate omnes gentes

 

Station 2: Schmerz und Klage

Kurzeinleitung (Judith): Wir leben in einer Welt voll Schmerz und Klage: die Kriege und bewaffneten Konflikte im Nahen Osten, in der Ukraine, im Sudan, in Afghanistan und so vielen anderen Orten der Welt verursachen unendliches Leid an Körper und Seele der betroffenen Menschen. Und darüber hinaus vergiften und zerstören sie auch noch ihre Umwelt und damit ihre Lebensgrundlagen. Und das passiert oft auch noch in Regionen, die sowieso schon wegen ihrer Ressourcen von westlichen Ländern ausgebeutet werden und das Leben der Menschen vor Ort schwer machen. Papst Franziskus sagt dazu in seiner Enzyklika…

Bernhard Franziskus-Zitat: Diese Umstände haben unsere Mutter Erde und alle Verlassenen unserer Welt dazu gebracht, laut zu schreien und uns anzuflehen, einen anderen Weg einzuschlagen. Nie zuvor haben wir unser gemeinsames Zuhause so sehr verletzt und misshandelt wie in den letzten zweihundert Jahren. (Laudato Si, Absatz 53)

Klagelieder 1, 20-22  (Chris) 

20 Ach, HERR, sieh doch, wie bange ist mir, dass mir’s im Leibe davon wehtut! Mir dreht sich das Herz im Leibe um, weil ich so ungehorsam gewesen bin. Draußen hat mich das Schwert und im Hause hat mich der Tod meiner Kinder beraubt.

21 Man hört’s wohl, dass ich seufze, und doch habe ich keinen Tröster; alle meine Feinde hören mein Unglück und freuen sich, dass du es gemacht hast. Du hast den Tag kommen lassen, den du verkündet hast, – aber ihnen soll es gehen wie mir.

22 Lass alle ihre Bosheit vor dich kommen und richte sie zu, wie du mich zugerichtet hast um aller meiner Missetat willen; denn meiner Seufzer sind viel, und mein Herz ist betrübt.

Überleitung (Chris) zu Lied auf Tagalog (Klagelieder-Text) mit persönlicher Reflexion:
Und nun sind alle eingeladen, unsere Schmerzen und Klagen vor Gott zu bringen. 
Wir hören ein Lied aus den Philippinen mit dem Titel „Masdan O Yahweh“ auf Filipino was auf Deutsch „Sieh HERR“. Es handelt sich um eine musikalische Bearbeitung des Bibeltextes aus Klagelieder 1,20–22. 
Während wir dem Lied lauschen, bringen wir unsere Klagen und Schmerzen vor Gott. Mögen sie persönlicher, gemeinschaftlicher und globaler Natur sein.

Auszüge aus Psalm 22 / Gebet (Michael oder Ulla)
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,
du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Forderung (Judith): Wir wünschen uns eine Kirche, die den Schmerz und die Klage der Menschen, die durch Krieg, Umweltzerstörung, Ausbeutung und alle möglichen Formen von Gewalt an Menschen und Natur betroffen sind, wirklich hört und sie sich zu eigen macht. Und sie dann mit ihnen vor Gott bringt. 

Lied: Bleibet hier und wachet mit mir

 

Station 3: Angst und Sorge

Andrea: Einleitung Thema der Station: Wir klagen über den Zustand dieser Erde. Wir sind in großer Sorge, wenn wir uns bewusst machen, wie sehr Menschen auf dieser Welt heute schon leiden. Wir haben Angst vor dem, was uns und allen, die nach uns kommen, noch bevorsteht. 

Bernhard: In seiner Enzyklika „Laudato Si“ schreibt Papst Franziskus (LS 70): Alles ist miteinander verbunden, und echte Sorge um unser eigenes Leben und unsere Beziehung zur Natur ist nicht zu trennen von Geschwisterlichkeit, Gerechtigkeit und Treue gegenüber anderen.

Andrea: Ich lese einen Ausschnitt aus einem Poetry Slam der 21-jährigen Maren Mitterer, einer ehemaligen Schülerin von mir, die jetzt Psychologie studiert. Sie hat diesen Poetry Slam bei der Fridays for Future Demonstration am 18. April 2026 in München vorgetragen:

ich habe geweint, 
weil die welt so schön ist, 
das leben so schön ist, 
und wir so dumm sind, 
es zu zerstören
auch bei allem schrecken, der auf der welt geschieht, 
wurzeln die bäume weiter und die flüsse fließen weiter bis ins meer 

ja, bis wir die bäume roden und die flüsse einbetonieren 
leugnend, dass sie unsere lebensgrundlage sind 
wenn wir sie aus dem gleichgewicht bringen, 
erst merken wir es kaum, 
ein paar mehr oder weniger singende vögel, 
langsam steigt das wasser, 
aber wenn wir natur und klima so aus dem gleichgewicht bringen, 
wie überleben wir dann die naturgewalten, 
die wir damit entfesseln? 
wenn keine vögel mehr singen und unser schiff kentert, 
dann ist es zu spät 
lieben wir denn unsere gas- und kohlekraftwerke mehr 
als unsere natur und unser leben? 

gestern nacht lag ich wach, 
habe geweint, 
weil die welt so schön ist, 
das leben so schön ist, 
und wir so dumm sind, 
es zu zerstören


Michael oder Ulla: Schon im Jahr 2020 hat Mitzi Jonelle Tan von den “Youth Advocates for Climate Action Phillippines” geschrieben: Kürzlich hat der Taifun Goni, der bis jetzt stärkste Sturm des Jahres 2020, die Philippinen verwüstet. Solch heftige Wirbelstürme treffen die Philippinen einer nach dem anderen immer häufiger und extremer. Jedes Mal, wenn es heißt, dass ein neuer Sturm auf die Philippinen zukommt, bin ich wie gelähmt vor Angst, Angst davor, dass ich dieses Mal nicht so viel Glück haben werde, dass ein Baum oder ein Strommast auf unser Haus fallen könnte oder dass ich in meinem eigenen Zimmer ertrinke, da unser Haus auf Grund von Sturmfluten komplett unter Wasser steht.

Michael oder Ulla:
Wir beten mit Worten aus Psalm 55:
Vernimm, o Gott, mein Gebet,
verbirg dich nicht vor meinem Flehen!
Achte auf mich und gib mir Antwort!
Klagend und seufzend irre ich umher.
Das Herz bebt mir in der Brust,
mich überfallen die Schrecken des Todes.
Furcht und Zittern überkommt mich,
und es bedeckt mich Entsetzen.
Da sage ich: “Hätt´ich doch Flügel wie die Taube,
ich flöge davon und fände Geborgenheit.
Weit fort würde ich fliehen
und mich niederlassen in der Wüste.
Ich fände für mich eine Zuflucht
vor Sturm und Gewitter.”

Andrea: Forderung: Wenn ich in einen Gottesdienst gehe, wünsche ich mir von der Kirche, dass meine Angst und meine Sorge um diese Welt dort vorkommen. Ich wünsche mir Kolleg:innen, die vor dem Zustand dieser Welt nicht die Augen verschließen und die Klimakatastrophe immer und immer wieder thematisieren – und gleichzeitig zum Handeln aufrufen. 

Lied: Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde ein Feuer, das nie mehr erlischt

  

Station 4: Mit neuen Augen sehen

Andrea: Durch Schmerz, Klage, Angst und Sorge hindurch können wir die Welt  und uns in ihr immer wieder auch “Mit neuen Augen sehen” - so das Motto dieser Station. 

Bernhard: Papst Franziskus schreibt in Laudato Si: Wenn „die äußeren Wüsten mehr werden in der Welt, weil sich die inneren Wüsten ausgeweitet haben“, wie es Papst Benedikt XVI. einmal gesagt hat, dann sind die ökologischen Krisen ein Aufruf zu einer tiefen inneren Umkehr. Wir sehen aber, dass es Christ:innen gibt, die religiös engagiert sind und das Gebet pflegen, unter Berufung auf Realismus oder Pragmatismus aber dazu neigen, die ökologischen Krisen und die damit verbundenen Sorgen(, die Menschen umtreiben,) zu belächeln. Andere sind untätig, entschließen sich nicht, ihre Gewohnheiten zu ändern und erweisen sich so in ihrem Verhalten als inkohärent. Sie alle lassen eine ökologische Umkehr vermissen; diese würde bedeuten, dass aus der Begegnung mit Jesus Christus Folgen erwachsen für ihre Beziehung mit der sie umgebenden Welt. Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein, gehört zum Kern eines moralischen Lebenswandels, und ist nicht etwa [nur] eine zusätzliche Option oder ein nachrangiger Aspekt christlicher Lebenspraxis.

Charlotte: Dieser Abschnitt aus Laudato Si ist für mich vielleicht die zentrale “handlungsrelevante” Aussage dieser Enzyklika. Sie spricht mir so aus dem Herzen und fasst eigentlich alles zusammen: Wir haben diese Berufung, “Beschützer des Werkes Gottes zu sein”, man könnte sagen: Diese Welt als leben-ermöglichenden Ort zu erhalten. Und dem tatkräftig nachzukommen, gehört zum Kern christlicher Praxis. Das ist es, wofür wir mindestens aufstehen müssen. Eigentlich müssten alle Christ:innen bei Klimademonstrationen dabei sein und sich politisch für mutige Schritte zu Klimagerechtigkeit und den Erhalt von Artenvielfalt einsetzen.

Michael oder Ulla: Der evangelische Theologe Kurt Marti formuliert diese “Folgen, die aus der Begegnung mit Jesus Christus erwachsen” in einem Gedicht so: 
Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn erst nach dem Tod Gerechtigkeit käme,
erst dann die Herrschaft der Herren,
erst dann die Knechtschaft der Knechte
vergessen wäre für immer!
Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe,
wenn hier die Herrschaft der Herren,
wenn hier die Knechtschaft der Knechte
so weiterginge wie immer.
Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden,
ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle
zur Auferstehung auf Erden,
zum Aufstand gegen die Herren,
die mit dem Tod uns regieren!

Andrea: Als Christ:innen sprechen wir viel von weltweiter Solidarität und dass wir miteinander durch die Nächstenliebe verbunden sind. Ich habe viel von Menschen aus dem Globalen Süden gelernt und möchte Ihnen deswegen einen kurzen Ausschnitt von Hindou Oumarou Ibrahim von den Mbororo (Tschad) vorlesen:
Ich bin eine indigene Frau, die Wald und Land als Heimat und nicht als Ware betrachtet. Wir indigenen Menschen wissen seit jeher: Unser Planet lebt. Der Boden ist ihre Haut. Wälder sind ihr Haar. Flüsse sind ihr Blut. Und heute ist die Erde krank, wahrscheinlich am Sterben.

Wir indigenen Völker bringen aber auch unsere Lösung mit. Obwohl wir indigenen Menschen nur 5 % der Weltbevölkerung ausmachen, schützen wir 80% der verbleibenden Biodiversität. Indigene Völker leben bereits klimaneutral. Daher ist unsere Botschaft: Wir haben den Plan. Wir wissen was zu tun ist, also lassen Sie es uns auch tun. Das gilt für den Staat, aber auch für Unternehmen. Es hat keinen Wert, schöne Reden über die Entwaldung zu halten, wenn Sie Konzernen erlauben, das Land der indigenen Menschen stehlen oder das Ökosystem zu zerstören. Wir müssen als Partner:innen zusammenarbeiten, wir sind keine Almosenempfänger:innen. Wir müssen Entscheidungen gemeinsam treffen!

Charlotte: Forderung an Kirche: Wir wünschen uns eine Kirche, in der wir “die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein” als entscheidendes Kernthema für eine konsequente Glaubenspraxis ernst nehmen. Eine Kirche, in der wir entsprechend auf allen institutionellen Ebenen und in allen Bereichen uns um diese ökologischen Krisen kümmern: in unserem Einkaufsverhalten, in Fragen von Verpachtung und Geldanlage, und schließlich auch in Seelsorge und Verkündigung.

Lied: Happiness is here and now (Plumvillage)

Ingeborg : Anleitung Gehmeditation

Miranda : Gedicht von Thich Nhat Hanh
Nimm meine Hand.
Wir wollen gehen. 
Wir werden einfach nur gehen.
Wir werden unseren Weg genießen
ohne daran zu denken, irgendwo anzukommen.
Gehen in Frieden.
Gehen mit Freude.
Unser Gehen ist ein Weg für den Frieden.
Unser Gehen ist ein Weg zur Freude und zum Glück.

Dann lernen wir, 
dass es keinen Weg zum Frieden gibt, 
keinen Weg zur Freude und zum Glück,
dass das Gehen selbst das Glück ist und die Freude.
Wir gehen für uns.
Wir gehen für alle,
immer Hand in Hand.

Geh und berühre den Frieden in jedem Moment. 
Geh und berühre das Glück und die Freude in jedem Moment. 
Jeder Schritt bringt eine frische Brise.
Jeder Schritt lässt unter unseren Füßen eine Blume blühen.
Küss die Erde mit deinen Füßen.
Schenk der Erde deinen Abdruck der Liebe und Freude.

Die Erde wird sicher sein,
wenn wir genügend Sicherheit in uns verspüren 

→ Gehmeditation bis zur nächsten Station

 

Station 5: Ins Handeln kommen und Aufbruch / Segen

Mathias - Oft spreche ich von der Hoffnung auf den Himmel. Damit meine ich aber keinen billigen Trost. Nach dem Motto: Augen zu und durch, im Himmel wirds uns allen besser gehen, sondern die Hoffnung auf den Himmel, das ist eine Hoffnung, die schon jetzt unsere Welt, unsere Gesellschaft, unser Leben verändert. Eine Revolution. Singen wir das Lied “Der Himmel geht über allen auf”  
Lied: Der Himmel geht über allen auf - auf alle über über allen auf.

Wie sähe so eine Welt aus, in der der Himmel auf alle über geht?

Stefan - Ich spreche von einer Welt, in der die Mutigen und Widerständigen im lauten Protest gestärkt werden, statt sie einzuschüchtern. Gottes Segen sei mit ihnen. 
Lied: Der Himmel geht über allen auf 

Mathias - Ich spreche von einer Welt, in der der Segen mit denen ist, die nachhaltiger leben, ohne daraus groß Aufsehen zu machen. Die die Welt bewahren, da, wo sie sind. Gottes Segen sei mit ihnen.
Lied: Der Himmel geht über allen auf 

Stefan - Ich spreche von einer Welt, in der sich Politiker, führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft miteinander und mit ganzer Kraft für mehr Klimagerechtigkeit einsetzen. Gottes Segen sei mit ihnen 
Lied: Der Himmel geht über allen auf

Mathias - Ich spreche von einer Welt, die auch für die künftigen Generationen ein lebenswerter Ort ist. Denn auch die Kinder und Kindeskinder sollen staunen über den Reichtum von Gottes bunter Schöpfung. 
Lied: Der Himmel geht über allen auf 

Bernhard: Wir beten das „Gebet für unsere Erde“ (2015) von Papst Franziskus.
Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Geschwister leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen,
zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
Amen

Stefan: Unsere Prozession neigt sich dem Ende zu und wir hoffen, dass Gott euch durch unsere Prozession berührt hat und dass etwas in euch Resonanz gefunden hat und aktiv werden will. Der Katholikentag und auch unsere Prozession4Future hat das Motto “Hab Mut, steh auf!” Ich möchte hinzufügen, “Hab Mut, steh auf!” In Vertrauen auf Gott, aufs Universum, aufs Leben. Es reicht das Senfkorn Vertrauen, auf den nächsten Schritt mit Gott. 

Habt Vertrauen ins Leben. Habt radikal, voll und ganz Vertrauen ins Leben. Gott ist nichts anderes als Leben. Vertraut dem Leben. Lasst euch nicht von der Angst leiten. Geht konkrete Schritte. Geht nicht allein. Sucht euch Menschen, Weggefährten. Leute, mit denen ihr eure Vision teilt – Fridays for Future mit den zahlreichen Gruppen wie den Omas for Future, die heute mit dabei sind, Christians for Future, Teachers for Future, um nur einige zu nennen. Leute, mit denen ihr eure Vision teilen könnt, gibt’s auch bei der Gruppe „Nein und Amen“, wir sind Menschen, die das Thema Klimagerechtigkeit in den Kirchen wach halten wollen. Kommt mit uns am Ende der Demo gern ins Gespräch bei Interesse, wir bleiben noch eine Weile hier. Stellt euch gemeinsam Entwicklungen entgegen, die dem Leben widersprechen. Die heilige Geistkraft wird euch erfüllen. 

Miranda oder Ingeborg: Liebende Güte Gebet
Wir bitten darum, dass sich alles Gute, das hier entsteht, in die Welt hinaus ausbreitet.
Mögen alle Orte als heilig angesehen werden. Mögen alle Wesen geschätzt werden.
Mögen alle Ungerechtigkeiten, die aus Unterdrückung und Herabwürdigung entstehen, vollständig 
wiedergutgemacht, behoben und geheilt werden.
Mögen alle Wunden an Wäldern, Flüssen, Wüsten, Ozeanen – alle Wunden an Mutter Erde – liebevoll wiederhergestellt und zu voller Gesundheit zurückgeführt werden.
Mögen sich alle Wesen überall an der wundervollen Mitwelt erfreuen: dem Vogelgezwitscher, Bäumen, den Blumen, dem blauen Himmel und vielem mehr…
Mögen alle Wesen in Frieden und Wohlergehen leben, erwachen und frei sein. 

Segen: Mathias
Ich will dich segnen, du sollst ein Segen sein, der diese Welt verändert.
Aaronitischer Segen